Warum Ingwer so gesund ist

Die scharfe Knolle bietet weit mehr als ein würziges Aroma. Ingwer kann einige Beschwerden lindern – von Schmerzen bis Reiseübelkeit


Scharfes für die Gesundheit: Ingwer

 

Ingwer ist eine scharfe Angelegenheit. Wer auf ein Stückchen frische Knolle beißt, dem brennt nicht nur die Zunge. Auch die Wangen können sich röten, die Nase läuft bei manchem und eventuell durchblitzt ein Wärmegefühl den Körper. Denn Ingwer steckt voller Scharfstoffe. Sie sollen Wärmerezeptoren aktivieren. Ingwer lindert Schmerzen


Doch die Scharfmacher können noch mehr. „Inhaltsstoffe aus Ingwer hemmen das gleiche Enzym im Körper wie Acetylsalicylsäure“, weiß Professor Eugen Verspohl, Pharmakologe am Pharmazeutischen Institut der Universität Münster. Besagtes Enzym nennt sich Cyclooxygenase. Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure lindert darüber Schmerzen, dämmt Entzündungen ein und hemmt die Blutgerinnung. Experten sprechen dem Ingwer ähnliche Wirkungen zu, wobei der schmerzstillende Effekt am besten durch Studien belegt ist. So setzen Betroffene Extrakte aus der Heilpflanze bei Muskelschmerzen ebenso wie bei Rheuma ein.


Probates Mittel gegen Übelkeit und Brechreiz

 

Weitaus bekannter ist, dass die Knolle gegen Reiseübelkeit hilft. „Inhaltsstoffe aus Ingwer mindern Übelkeit und Brechreiz, und zwar vergleichbar gut wie das chemische Mittel Dimenhydrinat“, sagt Verspohl. Der Pharmakologe beschäftigt sich seit nunmehr acht Jahren mit Zingiber officinale, wie sich das fernöstliche Gewächs in der Fachsprache nennt. „Wir haben herausgefunden, dass die Wirkstoffe an Serotonin-Rezeptor-Ionenkanälen angreifen, die am Erbrechen beteiligt sind", sagt er. Allerdings profitieren nur diejenigen von Ingwer, denen es in Flugzeug, Zug oder Auto schlecht wird. „Tritt die Reiseübelkeit während einer Schiffsreise auf, eignet sich Ingwer weniger gut“, meint der Experte.


Sogar während einer Chemotherapie scheint sich das Gewächs zu bewähren. Studien zeigen, dass es Krebspatienten weniger stark übel wird, wenn sie neben chemischen Brechreizhemmern Ingwer einnehmen. So berichten Forscher der Universität von Rochester (USA), dass Ingwer-Extrakt die Beschwerden um 40 Prozent senke, wenn Patienten diesen drei Tage vor und nach der Chemotherapie anwenden. Allerdings ist die Studienlage zu diesem Thema noch nicht eindeutig und es gilt das selbe wie bei allen anderen Medikamenten: Den Einsatz immer mit dem behandelnden Arzt absprechen.


Vorsicht: Kein Ingwer für Schwangere

 

Schwangere, denen Übelkeit zu schaffen macht, sollten Ingwer dagegen nicht einsetzen. „Denn bestimmte Inhaltsstoffe können die Wehen auslösen“, warnt Verspohl. Wer einen empfindlichen Magen hat, verzichtet auf das Gewürz unter Umständen auch besser. Denn der Scharfmacher bewirkt, dass mehr Magensäure gebildet wird. Tabu ist Ingwer außerdem für Menschen, die zu hohen Blutdruck haben oder an Gallensteinen leiden. Sonst gilt Ingwer als sehr gut verträglich.

Zudem hat Ingwer einen bereits seit langem bekannten, verdauungsfördernden Effekt. Ob Ingwer allerdings einer Erkältung vorbeugen kann, das Abnehmen erleichtert oder gar vor Krebs schützt, müssen wissenschaftliche Studien erst beweisen.


Wer einem flauen Gefühl im Bauch vorbeugen möchte, kann Ingwer – entweder als Tablette, Kapsel oder Tropfen – eine halbe Stunde vor der Reise einnehmen. Dauert der Flug zum Beispiel länger als vier Stunden, empfiehlt sich unterwegs eine erneute Dosis Ingwer. Auch durch Ingwertee oder entsprechende Zuckerbonbons gelangen die Scharfstoffe in den Körper. Wie viel davon allerdings am Wirkort ankommen, ist laut Verspohl nicht bekannt. Tee und Zuckerstückchen sollten Ingwer-Liebhaber daher eher als aromatische Köstlichkeit ansehen.


Ingwer als Küchengewürz


Daneben steht Ingwer auch pur im Angebot. „Wer mag, kann gegen Übelkeit einfach ein frisch geschältes Ingwerstückchen kauen, auch das hilft“, weiß der Pharmakologe. Als frisches Gewürz passt die Knolle hervorragend zu asiatischen Gerichten und Currys. Ein Tipp von Gesundheitskoch Peter Asch aus Riedering am Chiemsee: Ein Stück frischen Ingwer abschneiden und vor allen anderen Zutaten in heißem Öl kurz anbraten. Dann den Ingwer wieder herausnehmen. So bleibt das feine Aroma im Gericht erhalten, es schmeckt aber nicht zu intensiv nach Ingwer.


Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de; 04.03.2011, aktualisiert am 13.12.2012